Nachgefragt: WGD GestalterIn des Monats

Nachgefragt: Wir gestalten Dresden – Gestalter_In des Monats

Dresden: Raus aus dem traditionellen Mief und Pief!

Das „Jahr der Kreativen“ ist angebrochen – unter diesem Motto setzt Dresden sich in den nächsten Monaten in Szene. Aber wer sind eigentlich die Köpfe hinter der Dresdner Kultur- und Kreativwirtschaft? Was inspiriert Kreativschaffende in Dresden? Und wo ist Dresden am kreativsten?

Nachgefragt! im Februar: Mirko Sennewald

In unserer Portraitreihe Nachgefragt! lassen wir die Menschen zu Wort kommen, die Dresdens Kultur- und Kreativszene einzigartig machen. Mit zehn Fragen und einem Selfie #atwork wagen wir den Blick hinter die Kulissen. Wir wollen wissen, wer Dresdens Querdenker und Ideengeber sind, warum ihr Herz für Dresden schlägt und wie sie sich selbst und ihre Arbeit sehen.

Warum Kulturvereine zu Unrecht immer noch unterschätzt werden, was in Dresden anders laufen muss und über Neustadt-Träume – wir haben wieder Nachgefragt! 

Selfie_Mirko_SennewaldMirko Sennewald ist ein Neustädter Original. Bevor er 1. Vorsitzender des Kultur Aktiv e.V. wurde, agierte er als Pressesprecher des “Flower-Power-Festivals” und managte die Rockgruppe “The Ancient Gallery”. Neben seinem politischen Engagement gründete er 1999 die Deutsch-Tschechische Musikagentur transmusic. Seitdem konnte transmusic als einzige deutsch-tschechische Musikagentur über 1.000 Künstler aus über 20 Ländern in 15 europäische Staaten vermitteln. Durch seine Arbeit hat sich Mirko Sennewald ein großes Netzwerk in alle Länder Mittel- und Osteuropas aufgebaut – hinzu kommen zahlreiche Projekte, wie zum Beispiel die Konferenz für der Kreativ- und Musikwirtschaft Club nEUROPA.

Statt dem üblichen Selfie #atwork wurde Mirko Sennewald von dem georgischen Künstler und Fotograf Yuri Mechitov in Szene gesetzt, denn wie Mirko uns mitteilte: „Selfie is ni, Fotos macht mein knurx-altes Telefon generell ni.“

– Dein Geschäftskonzept in 140 Zeichen:

Kulturelles Projektmanagement international, Schwerpunkt Osteuropa, inkl. Beratung und Weiterbildung, Musikmanagement, Stagemanagement.

– Welcher Gegenstand ist aus deinem Arbeitsumfeld nicht wegzudenken?

Mein Telefon zum Telefonieren, ohne Schnickschnack. Knurx-alt eben.

– Wenn ich anderen erkläre, was ich beruflich mache, dann…

… atme ich tief durch und erkläre es an einem aktuellen Beispiel. Unser tschechisch-deutsches Kulturschiff „Cargo Gallery“ liegt zwar noch in der Werft, aber wir werden es bald in Dresden begrüßen. Damit haben wir ein schwimmendes Kulturhaus, das dem kulturellen Austausch zwischen beiden Ländern dienen kann und natürlich für Andere und deren Ideen zur Verfügung steht.

– Um in meiner Branche Erfolg zu haben, braucht man…

… viel Erfahrung, gute Netzwerke, tolle Berater, professionelle Partner und vor allem natürlich: immer wieder neue Ideen. Obdrein: ein gutes Händchen für interkulturelle Unterschiede plus Sprachkenntnisse.

– Reach to the stars: Wo siehst du dich in 5 Jahren?

In meiner bunten Neustadt. Umgeben von anderen kreativen, verrückten und veränderungslustigen Macher_innen… Jeden Tag die Welt ein bißchen besser machen. Am besten mit Musik.

– Wenn du in Dresden eine Sache verändern könntest, dann…

… hä, nur eine? Schade, na dann aber erstmal nur ein Wunsch: ich hätte gern viel mehr Wünsche, liebe Fee. DANKE!

Ohne Graduierung diese Wünsche:

A. Eine/n neue/n Kulturbürgermeister_in: motiviert, engagiert, mit zukunftsorientierten Zielen, für und mit der Kreativwirtschaft!

B. Mehr Toleranz statt sinnloser Polarisierung in der Dresdner Gesellschaft!

C. Von offizieller Seite mehr Mut für Neues und deutlich mehr Akzeptanz für das, was die Kreativwirtschaft hervorbringt, raus aus dem traditionellen Mief und Pief!

D. Mehr internationale Kooperation, der berühmte „Blick über den Hellerrand“, um im Vergleich mit anderen Städten der Welt die Probleme hier vor Ort zu lösen!

E. eine Kreativfeuerwache für die Neustadt!

F. eine entspanntere BRN!

G. mehr Platz für Livemusik in Klubs und für Open Airs!

H. eine_n „Pop-Pilot/in“ als Interessenvertreter all der Musiker (von Jazz bis Elektro)!

I. eine Kulturhauptstadt-Bewerbung, die Substanz hat, am liebsten als „demokratische Kultur“-Hauptstadt!

J. @Fee: hatte ich jetzt schon die hundert Wünsche??? Dann brauch‘ ich noch ein paar Joker bitte! …

– Wo ist Dresden am kreativsten?

In der Neustadt natürlich. Upps, sorry. Stimmt gar nicht so ganz, am Kneipentisch natürlich. Wo sonst kommen die Ideen her? Das geht auch in Striesen gut…

– Welches Klischee über deine Branche nervt dich am meisten?

Da ich viel für Vereine arbeite: „ja, ja die Vereine, das sind so Freaks und die meiern dort irgendwas rum“. Um es mit den Worten des Geschäftskundenbetreuers einer Bank zu sagen: „Sie sind nur ein Verein, bei Ihnen versackert ja das Geld sowieso…“. Dabei wird übersehen, dass die meisten äußerst professionell arbeiten. Außerdem werden die Kulturvereine bewusst kleingeredet, obwohl sie teils beträchtliche Umsätze machen. Die drei größten soziokulturellen Vereine der Stadt setzen zusammen ca. 1,5 Mio Euro im Jahr um, davon profitieren vor allem kreativwirtschaftliche Unternehmen als Zulieferer.

– Und was leider nur die wenigsten wissen:

Trotz der internationalen Arbeit ist es „auch wieder nur so ein Bürojob“: 99% Papierkrieg und 1% Kultur, sage ich immer. Stimmt aber nicht ganz ;-)

– Dein Mantra? 

Kultur ist immer.

 

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