Nachgefragt: WGD GestalterIn des Monats

Nachgefragt: Wir gestalten Dresden – Gestalter_In des Monats

Im „Jahr der Kreativen“ ist Halbzeit und wir werfen einen Blick auf den Dresdner Kunstmarkt. Was braucht es, um als Galerie auf dem Kunstmarkt Erfolg zu haben und worin besteht Dresdens Mehrwert als Kunststandort?

Nachgefragt! im Juni: Galerie KUNSTAUSSTELLUNG KÜHL

In unserer Portraitreihe Nachgefragt! lassen wir die Menschen zu Wort kommen, die Dresdens Kultur- und Kreativszene einzigartig machen. Mit zehn Fragen und einem Selfie #atwork wagen wir den Blick hinter die Kulissen. Wir wollen wissen, wer Dresdens Querdenker und Ideengeber sind, warum ihr Herz für Dresden schlägt und wie sie sich selbst und ihre Arbeit sehen. Was braucht man um als Kreativschaffender Erfolg zu haben? Und wo ist Dresden eigentlich am kreativsten?

Diese Woche mit uns im Gespräch: Sophia-Therese Schmidt-Kühl

Sophia_Therese_Schmidt-Kühl

Die KUNSTAUSSTELLUNG KÜHL – 1924 in Dresden gegründet und damit die älteste private Verkaufsgalerie Sachsens – präsentiert und verkauft Bildende Kunst des XX. Jahrhunderts und Gegenwartskunst mit regionalem Schwerpunkt. Dresden ist seit der Wende zum 20. Jahrhundert und dem folgenreichen Auftritt der Künstlergruppe Brücke eines der wichtigen Zentren der Moderne in der deutschen Kunstentwicklung. 

 

Dein Geschäftskonzept in 140 Zeichen:

Verkauf von Bildender Kunst des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Wechselnde Ausstellungen und paralleles Angebot mit regionaler Kunst im Kontext zu überregionalen und internationalen Positionen.

Was ist der wichtigste Gegenstand in deinem Arbeitsumfeld?

Natürlich die Bilder und Plastiken, die ich im Auftrag unserer Künstler und Kunden verkaufe.

Wenn ich anderen erkläre, was ich beruflich mache, dann….

…habe ich viel zu erzählen, denn ich bemerke stets, dass der Arbeitsinhalt unserer Branche von außen schwer vorstellbar ist.

Um in meiner Branche Erfolg zu haben, braucht man….

– vorausgesetzt, wenn man eine Galerie mit Anspruch und kommerziell betreiben will – :

  • die Liebe zur Kunst, denn ein hoher Anteil Idealismus ist vonnöten
  • das richtige Gespür für qualitätsvolle Kunst und die richtige Auswahl für die eigene Profilierung des Angebotes
  • Kenntnisse über künstlerische Techniken, Kunstgeschichte, Buchhaltung, Organisationsfähigkeit v.a. um ein Netzwerk aufzubauen, ein Stück weit Psychologie wäre manchmal wünschenswert
  • Ausdauer und Vertrauen in die eigene Arbeit, um die extrem unkontinuierliche Einkommenssituation zu verkraften

Wo siehst du dich in 5 Jahren?

Vielleicht mal wieder auf einer Messe und hoffentlich weiter in meiner schönen, hellen Etage und den zusätzlichen Räumen im Souterrain.

Wenn du eine Sache in Dresden verändern könntest, dann…

…würde ich in Kindergärten und Schulen kulturelle Pflichtveranstaltungen und eine anschließende Verarbeitung anregen: Theater, Musik, Tanz, Bildende Kunst. Nicht als intellektuelle Überfrachtung sondern altersgerecht erfahrbar machen. Allerdings sehe ich dies als Aufgabe für Gesamtdeutschland. Das fördert die Allgemeinbildung und das soziale Miteinander, was mir dringender denn je scheint. Kurzfristig würde ich in der Tourismusbranche versuchen, die zeitgenössische Kunst neben dem barocken Prunk den Dresden zu bieten hat, besser in der Werbung zu etablieren.

Wo ist Dresden am kreativsten?

Sollte man die Staatskapelle, die Theater oder die Jugendkunstschule nennen? Nein, ich denke, dafür ist Dresden zum Glück zu reich an vielen großen und kleinen Initiativen, um nur einen Ort zu bestimmen. Das Potential liegt im Zusammenspiel. Die Kreativwirtschaft ist ja der Ausdruck von zahlreichen Menschen, die sich mit ihren Ideen in die Gesellschaft einbringen.

Welches Klischee über deine Branche nervt dich am meisten?

Weil an Kunstwerken oftmals hohe Preise zu lesen sind, gilt der Galerist dem Anschein nach als sehr wohlhabend. Man durchschaut nicht, was er eigentlich dafür leistet und misstraut. Künstler praktizieren manchmal aus Verzweiflung die Selbstvermarktung und erkennen oft später, wieviel Zeit, Kraft, Geld und Nerven das mühsame Geschäft bedeutet und das es ihnen die Energie vom Kreativen, ihrem eigentlichen Anliegen abzieht. Außerdem können sie sich selbst selten so bekannt machen wie eine professionelle Galerie.

Und was leider nur die wenigsten wissen:

Wieviel verdient ein Galerist tatsächlich? Das ist natürlich recht unterschiedlich und nach dem aufsehenerregenden „Fall Helge Achenbach“ um so mehr umstritten. Nur so viel, dass man von der Verkaufssumme zunächst den Künstler bezahlt, der davon leben muß und von der Galerie- Marge „mit Anstand“ reichliche Abzüge hinnehmen muß. Meist ist man froh wenn die Galerie ein paar Jahre überlebt. Steuern, Künstlersozialkasse, Urheberrechte, Miete, Versicherung, Transporte, Angestellte, Restaurierungen, Werbung und sonstige Betriebskosten wollen bedient sein. Das Kunstwerk hat beim Künstler und in der Galerie natürlich den selben Wert. Da der Galerist vom Künstler vertraglich zur Vermarktung beauftragt ist, muß dem Galeristen für seine Arbeit auch ein Verdienstanteil zustehen. Doch erst im Falle eines Verkaufes refinanziert sich mein Unternehmen.
Die Preiskalkulierung obliegt nicht dem Galeristen allein. Zahlreiche Faktoren bestimmen den sich ständig wandelbaren Kunstmarkt. Daher ist ein vertrauensvoller Ansprechpartner wichtig.  Werke unbekannter Künstler bleiben auf Auktionen oftmals liegen. Erst wenn die Vorleistung von Galerien – meist über lange Zeiträume – erbracht ist und der Künstler durch Ausstellungen und Kataloge kontinuierlich vorgestellt und beworben wurde, hat der Verkauf in diesen Häusern eine Chance.
In unserem Angebot gibt es Originalkunstwerke in einer Preisspanne von 10 € für Grafiken bis zu mehreren tausend Euro.

Dein Mantra?

Auch in schwierigen Situationen positiv denken. Schnelles Geld ist ein schlechtes Erfolgsrezept.

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